Montag, 15. Mai 2017

Rezension zu „Hundert Stunden Nacht“ von Anna Woltz


Rezension zu 
„Hundert Stunden Nacht“ 
von Anna Woltz


Cover: Carlsen



Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 03.03.2017
Aktuelle Ausgabe : 03.03.2017
Verlag : Carlsen
ISBN: 9783551583482
Fester Einband 256 Seiten
Sprache: Deutsch 









Inhalt:

Emilia hat sich die Kreditkarte ihres Vaters geschnappt und einen Flug nach New York gebucht. Sie will einfach nur weg. Aber das Apartment, das sie übers Internet gemietet hat, gibt es gar nicht und zu allem Überfluss kündigt sich Wirbelsturm Sandy an. Zum Glück lernt sie Seth, Abby und den ziemlich verrückten Jim kennen. Zusammen finden sie eine Bleibe in SoHo. Inzwischen hat der Sturm die Stadt fest im Griff: das Haus beginnt zu wackeln, dann fällt der Strom aus. Die vier müssen immer enger zusammenrücken, ob sie wollen oder nicht.

Meine Meinung:

Der Schreibstil ist sehr ruhig, angenehm, leicht und fließend, schnell und einfach zu lesen.

Obwohl sowohl Handlung als auch Erzählstil sehr ruhig und gediegen sind, konnte mich die Geschichte einnehmen. Eine Geschichte über Freundschaft, das Erwachsen werden, Freiheit. Aber auch Themen wie Mobbing, die geringe Hemmschwelle im Internet und die Folgen für die Betroffenen, wenn ein Shitstorm losgetreten wird. Außerdem kommen die Ängste, die Panik und die Zwänge der Protagonistin hinzu. Alles eingerahmt von einem Wirbelsturm, der zusätzliche Probleme mit sich bringt. Eine tiefgreifende Geschichte über Jugendliche, die sich zusammenraufen, plötzlich über das Leben und die Zukunft nachdenken, die Änderungen anstreben und die wieder Perspektiven haben.

Das Ende war mir allerdings zu abrupt. Ich hatte das Gefühl, dass noch etwas Wichtiges fehlt, die Handlung noch nicht abgeschlossen ist, da sie einfach aufhört. Gerne hätte ich noch einen Blick in die Zukunft geworfen.

Das Setting hat mir sehr gut gefallen. Ich liebe New York! Diese ansonsten so pulsierende Stadt konnte ich mir sehr gut während und nach dem Sturm vorstellen, tot und ruhig. Die Atmosphäre wurde wunderbar wiedergegeben.

Als Mutter einer 12-jährigen Tochter und eines 10-jährigen Sohnes musste ich allerdings zwischendrin den Kopf schütteln. 2 minderjährige Kinder (9 und 15) alleine während eines Sturms in NY, ein 17-jähriger, schwer verletzter, alleine und eine 14-jährige, die alleine von Holland in die Metropole flüchtet. Erschreckend wie einfach das alles erscheint.

Die Charaktere sind sehr facettenreich gezeichnet. Besonders Abby ist mir unheimlich ans Herz gewachsen. Ein aufgewecktes Mädchen, das mich mit ihren Fragen und Erklärungen des Öfteren zum Schmunzeln gebracht hat.

Emilia ist eine sehr besondere Protagonistin. Sie flüchtet nach NY um den Anschuldigen, Drohungen im Internet und ihren Eltern zu entfliehen. Dabei leidet sie unter Ängsten, Zwängen und Neurosen, hautsächlich war die Hygiene betrifft. Während eines Sturms ohne Strom und Wasser ist das natürlich sehr schwierig. Sie war teilweise mit ihrem Verhalten etwas nervig, aber durchaus authentisch.
Eine interessante Geschichte mit vielseitigen Charakteren, die mich gut unterhalten und zum Nachdenken angeregt hat.

Fazit:

Eine ruhige, tiefgründige Geschichte mit vielseitigen Charakteren. Leseempfehlung!

★★★★☆
4 von 5 Sternen

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