Sonntag, 21. Februar 2016

Interview mit Angela Kirchner


Interview mit Angela Kirchner
 
 
 
Angela Kirchner schreibt seit ihrem 13. Lebensjahr. Während ihrer Elternzeit hat sie sich gleich zwei lang gehegte Träume erfüllt: Sie hat ein Fernstudium zum Thema Kinder-/Jugendbuch begonnen und ihren ersten Jugendroman vollendet, der bei Oetinger34 verlegt wird. Aktuell arbeitet sie an ihrem zweiten Jugendbuch.

Sie lebt zusammen mit ihrem Mann, ihrem Sohn und einem - wie sie selbst sagt - völlig durchgedrehten Labrador im Norden Bayerns. Wenn sie nicht gerade schreibt, textet oder auf ihren Sohn aufpasst, arbeitet sie als Buchhändlerin, liest leidenschaftlich gern und lässt sich von Marvel-Filme, TV-Serien und magischen Bildern inspirieren.
 
 
 
Cover: oetinger34
 
Durch eine Leserunde bei Lovelybooks bin ich auf die Autorin und ihren Debütroman aufmerksam geworden.

Mit einem Klick auf das Cover gelangt ihr zu meiner Rezension.
Die Autorin konnte mich mit ihrer Geschichte fesseln. Eine wundervolle Geschichte über die Liebe, die außerdem aktuelle Probleme im Teenageralter thematisiert, die nicht nur Jugendliche in ihren Bann zieht.
Ich freue mich sehr, dass Angela Kirchner sich bereit erklärt hat, mir ein paar Fragen zu beantworten.
 
1.Was liest du selbst gerne? Hast du ein Vorbild/einen Lieblingsautor? Ein Lieblingsbuch?
Wenn ich mich für ein Genre entscheiden müsste, dann würde ich definitiv das Jugendbuch in all seinen Facetten wählen. Ich liebe es, miterleben zu dürfen, wie junge Menschen die Welt kennenlernen, wie sie darauf reagieren und sich dadurch entwickeln – toll! Aber es gibt auch ganz hervorragende Kinderbücher, und auch in der Erwachsenen-Belletristik können mich einzelne Autoren oder Themen immer wieder problemlos einfangen. Britischer Humor zum Beispiel, da kann ich nicht widerstehen.

Als Vorbilder würde ich vor allem amerikanische und britische Autoren angeben. Die haben es in Sachen Plotbuilding echt drauf, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass kreatives Schreiben oft schon in den Schulen gelehrt wird. John Green zum Beispiel, Kristin Cashore, Jonathan Stroud, Marisha Pessl und NATÜRLICH Cassandra Clare. Jedes Mal spannend zu beobachten, wie sie alle ihre Charakter entwickeln und teils in ein ganzes Universum einspinnen.

Ein einziges Lieblingsbuch habe ich nicht. Dafür gibt es viel zu viel gute Literatur, die es verdient, geliebt zu werden! Meine Liste würde aktuell wahrscheinlich die ganze Seite füllen. ;)

2. In welchem Alter hast du mit dem Schreiben begonnen?
Mit  13 Jahren, damals aber vor allem Fanfiction und Kurzgeschichten. Meinen ersten Roman habe ich 2007 begonnen. Eine High Fantasy Geschichte für Jugendliche.

3. In “Über den Dächern wir zwei“ thematisierst du typische jugendliche Probleme wie Außenseiterrollen, Drogen und Alkohol. Was hat dich inspiriert, das Buch zu schreiben?


Das ist eine wirklich gute Frage! Ehrlich gesagt, hatte ich keine Ahnung, dass ich über solch ein ernstes Thema schreiben wollte, bis ich mich dabei erwischt habe. Ursprünglich bestand diese Geschichte nur aus der zweiten Dachszene zwischen Mina und Theo, die ich für mein Studium Kinder-/Jugendbuch geschrieben habe. Daraus entwickelte sich dann eine ganz eigene Story, was so gar nicht geplant war.

4. Gibt es Menschen in deinem Umfeld, die dir als Vorlage für deine Figuren dienen?
Für die Figuren zumindest ein Stück weit, ja. Wobei sich die Charaktere im Laufe der Geschichte von meiner ursprünglichen Version doch wegentwickelt haben. Die Story selbst ist Fiktion.

5. Was war deine erste Reaktion, als du erfahren hast, dass dein Buch bei einem Verlag veröffentlichen wird?


 „Über den Dächern wir zwei“ ist ja auf dem Online-Portal eines Verlages entstanden, bei dem Autoren zusammen mit Lektoren in Ausbildung (sogenannten Junior-Lektoren), Lesern und bei Bedarf Illustratoren ein Projekt zusammen entwickeln. Trotzdem war die Freude natürlich unglaublich groß, als ich erfahren habe, dass Minas Geschichte so gut angekommen ist. Allerdings kann ich bis heute noch nicht ganz überreißen, dass das Buch jetzt überall erhältlich ist. Dass Leute etwas kaufen können, dass meiner Fantasie entspringt. Total abgefahrenes Gefühl!

6. Wie sieht dein perfekter Schreibtag aus? Wo, an welchem Ort, schreibst du am liebsten? Gibt es etwas, das du unbedingt zum Schreiben brauchst?


Mein perfekter Schreibtag – hm. Das ist ein bisschen schwierig zu beantworten, weil ich momentan um jede Minute kämpfe, die ich dem Schreiben widmen kann. Richtig zufrieden bin ich, wenn ich tagsüber schon ein, zwei Stunden dem Plot widmen konnte und mich abends ab acht an mein Netbook setzen und bis zehn schreiben kann. Das ist dann allerdings schon wirklich viel Luxus, wenn man bedenkt, dass ich noch einen zweijährigen Sohn, einen Mann, einen Hund und einen Haushalt zu versorgen habe. Außerdem will ja nebenher auch Geld verdient werden.
Am liebsten schreibe ich inzwischen am Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer, mit Blick auf mein proppevolles Bücherregal und meine Inspirations-Pinnwand, an der ich Postkarten und kleine Bilder sammele, die mich beeinflussen. Genau dort bin ich nämlich am produktivsten. Manchmal lümmele ich auch auf der Couch herum, aber tatsächlich arbeiten kann ich da nicht.

Zum Schreiben brauche ich vor allem Ruhe, gerne eine Duftkerze und irgendwas zum Knabbern. Und tagsüber Kaffee! Ohne Kaffee geht gar nichts. J

7. Was ist der größte Störfaktor, was hält dich vom Schreiben ab?
  Mein Kopf. Wenn ich mich nicht konzentrieren kann - aus welchem Grund auch immer -, fällt mir das Arbeiten echt schwer. Es genügt ja nicht, körperlich anwesend zu sein, sondern man muss sich völlig auf die Geschichte einlassen. Und dazu braucht es eben vor allem den Kopf. Auch ganz, ganz schlimm: Das Internet! Ich muss mich wirklich zwingen, zwischendurch nicht ständig noch schnell „diese eine Mail oder PN“ zu beantworten, da mal kurz zu schauen, was die Konkurrenz so treibt und so weiter. Das Internet ist FURCHTBAR BÖSE! :P

8. Hast du beim Schreiben manchmal an dir selbst gezweifelt?
  Manchmal? Ständig! Diese „Das will doch keiner lesen!“ – Phase kommt in regelmäßigen Abständen und ist ein richtig übler Motivationskiller. Da hilft es dann, sich mit anderen Autoren zu unterhalten oder sich Feedback zu holen zu dem Projekt, an dem man gerade arbeitet. Wenn gar nichts mehr geht, sollte man einen Tag Pause einlegen und einen guten Film schauen, ein Buch lesen etc. Lesen bringt in mir immer die Lust zum Schreiben wieder ins Rollen.

9. Wie stehen deine Familie und deine Freunde zum Schreiben?


Ganz unterschiedlich. Die meisten unterstützen mich in dem, was ich tue, und sind stolz, dass ich es so weit gebracht habe. Es gibt aber auch diejenigen, die das ein bisschen belächeln und es nicht als Arbeit ansehen. Dabei ist Schreiben ein Job wie jeder andere auch. Ein oft ziemlich einsamer Job, aber das ist für mich persönlich völlig ok.

10. Da ich selbst gerade an meinem ersten Buch schreibe interessiert mich noch folgendes: Hast du Ratschläge, die du werdenden Autoren und mit auf den Weg geben kannst?
Lesen! Wer schreiben will, muss lesen. Viel, und viel Verschiedenes. Das schärft den Blick für die Entwicklung von Figuren und Plot, und es wirft den eigenen Ideen-Generator an.

Ebenfalls sehr wichtig: Schreiben! Am besten täglich. Dranbleiben, auch wenn es eine Zeit lang holprig läuft. Solche Phasen gibt es immer wieder, und man darf sich davon nicht unterkriegen lassen. So etwas wie eine Schreibblockade gibt es meiner Meinung nach nicht. Es gibt Inspirations- und Motivationsprobleme, aber Blockaden direkt – nein. Irgendetwas kann man immer schreiben, und wenn es „nur“ die eigene Interpretation einer bereits vorhanden Grundidee ist. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich dadurch ja etwas ganz Großartiges?

11. An welchen Buchprojekten arbeitest du zur Zeit, auf welche kommenden Projekte können sich deine Leser freuen?

Aktuell arbeite ich wieder an einem Jugendbuch, diesmal allerdings mit fantastischen Einschüben und Sci-Fi-Andeutungen. Im Vordergrund steht ein junger Mann, Cedrik, der der geborene Antiheld ist. Ich liebe Antihelden und bin wirklich froh, dass ich meine Zeit momentan mit einem verbringen darf.
Auf Halde habe ich noch die High Fantasy Geschichte, die ich 2007 begonnen habe, und die vom Umfang her mindestens zwei Bände umfassen wird, sowie zwei weitere realistische Jugendbücher. Mal sehen, wann ich mich diesen dreien widmen kann.
 
Liebe Angela, ich danke dir vielmals dafür, dass du dir die Zeit genommen hast und dich meinen Fragen gestellt hast. Danke für das tolle Interview.
Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und tolle neue Ideen für seine Bücher.

 
Dieses Buch der Autorin ist bereits erschienen:



Cover: Oetinger34

Inhalt:
 
Erste Liebe. Zart und real: Die 17-jährige Mina ist perfekt darin, sich gegenüber Gleichaltrigen unsichtbar zu machen. Ein Unfall stellt ihre geordnete Welt auf den Kopf und lässt sie einen vorsichtigen ersten Schritt auf ihren Nachbarn Theo zu machen. Auf Theo, der es liebt, über den Dingen zu schweben. Dessen Rückzugsort das Garagendach zwischen den beiden Häusern ist. Und der schon ewig heimlich in Mina verschossen ist. Finden die beiden so unterschiedlichen Außenseiter zusammen?


1 Kommentar:

  1. Es ist für mich immer wieder interessant, Interviews von AutorInnen zu lesen. Ich lese das wirklich gern. Und ich wünsche Euch beiden gutes Gelingen für Eure Buchprojekte.
    Liebe Grüße
    Vero

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